Peter V. Brett – Das Flüstern der Nacht

Peter Brett: Das Flüstern der Nacht - Heyne
Peter Brett: Das Flüstern der Nacht - Heyne
Rezension von „Das Flüstern der Nacht", dem zweiten Fantasy-Roman von Peter V. Brett. Der Kampf der Menschen gegen die Dämonen aus dem Horc geht weiter.

2009 überraschte Peter V. Brett positiv mit seinem ersten Fantasy-Roman der Dämonen-Reihe. „Das Flüstern der Nacht“ ist die Fortsetzung des „Lieds der Dunkelheit“. In ihr gewährt Brett weitere Einblicke in die Welt der Menschen des Landes Thesa und in die der Dämonen, die jede Nacht aus dem Horc aufsteigen und Jagd auf die Menschen machen. Doch seit die Menschen alte Kampfsiegel wiederentdeckt haben, können sie zurückschlagen.

„Das Flüstern der Nacht“ schildert den Aufstieg des Krasianers Jardir

Der erste Teil von „Das Flüstern der Nacht“ dreht sich um die Krasianer. Die in der südlichen Wüste lebenden Menschen haben die Dämonen bereits ohne das Wissen um die Kampfsiegel attackiert. Mit den neuen Siegeln ist ein richtiger Krieg gegen die Horclinge möglich. Doch zuvor sollen die Menschen geeint werden – notfalls mit Gewalt. Die Führung dabei übernimmt Jardir Ahmann, der sich selbst als Erlöser sieht und in diesem Glauben von den religiösen Führern der Krasianer bestärkt wird. Doch im Norden halten die meisten Menschen den Tätowierten Mann für den Messias, auch wenn Arlen, der sich die Siegel auf den Körper gebannt hat, diese Rolle ablehnt.

Peter Brett versucht sich in seinem Fantasy-Roman an Intrigen

Peter V. Brett erweitert seine Handlung in „Das Flüstern der Nacht“ um die Komponente des politischen Machtkampfs. Zum einen den zwischen den Krasianern und den Menschen im Norden, zum anderen den zwischen Fraktionen innerhalb einer Partei. Jardir und seine Frau Inevera sind sich über den Weg, den der Erlöser einschlagen soll, nicht immer einig, im Norden sind sich die Herzöge nicht grün und fürchten die Rückkehr eines Königs.

Diese Ränke beleben das Geschehen, doch Brett erweist sich nicht unbedingt als Meister der Intrige. Die Winkelzüge der Protagonisten erreichen bei weitem nicht das Niveau, das sie bei R. Scott Bakker oder bei Tom Llyod haben. Dafür sind Figuren wie die Herzöge zu karikaturhaft gezeichnet oder bleiben zu blass.

Spannend sind die Einblicke, die Brett in „Das Flüstern der Nacht“ in die Welt der Dämonen gewährt. Die Palette der Feuer-, Baum- und Sanddämonen wird um zwei neue Formen erweitert: Die Mimikry oder Seelenhorclinge können ihre Gestalt wechseln und die anderer Dämonen aber auch die von Menschen annehmen. Die Horclingprinzen sind gar in der Lage, andere Wesen ihrem Willen zu unterwerfen. Die Menschen werden also weitere Siegel und andere Strategien brauchen, um den Kampf gegen die Dämonen zu gewinnen.

Peter Bretts „Das Flüstern der Nacht“ ist der zweite von fünf Bänden

Ingrid Herrmann-Nytko hat „The Desert Spear“, so der Originaltitel, gut übersetzt. Warum sie aber statt Vater und Mutter, Dad und Mum benutzt, bleibt ein Rätsel. Bei der Synchronisation von Filmen mögen die Silben den Ausschlag für die Beibehaltung der amerikanischen Bezeichnung geben. In einem Buch, dessen Handlung in einer Fantasy-Welt spielt, gibt es keinen vernünftigen Grund dafür.

An einer Grundschwäche des Fantasy-Romans kann die Übersetzung eh nichts ändern: „Das Flüstern der Nacht“ ist insgesamt zu lang geraten. Die ausführliche Schilderung von Jardirs Leben nimmt zu viel Raum ein. Nachdem in „Das Lied der Dunkelheit“ mit Arlen, Leesha und Rojer bereits drei Charaktere mehr oder weniger breit eingeführt wurden, wirkt diese ausführliche Biografie ein wenig überflüssig, zumal die Lebenswelt der Krasianer und die Person Jardirs bereits Eingang in die Geschichte gefunden hatten. In späteren Kapiteln nimmt die Handlung dann jedoch wieder Fahrt auf. Es bleiben noch einige Konflikte ungelöst, mit den neuen Einblicken in die Welt des Horcs kommen neue Handlungsfäden hinzu. Peter Brett dürfte also keine Probleme haben, mit seiner Geschichte fünf Bände zu füllen – so viele soll die Dämonen-Reihe nach bisherigem Stand umfassen.

Peter V. Brett: Das Flüstern der Nacht. Heyne 2010. Broschiertes Taschenbuch, 1008 Seiten. Euro 16 (Österreich 16,50).

Jörn Käsebier - Bei Suite101.de betreute Jörn Käsebier zweieinhalb Jahre die Ressorts Wirtschaft & Geld sowie Sport als Redakteur, solange es ...

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