Die Furcht des Weisen 1 von Patrick Rothfuss - eine Rezension

Patrick Rothfuss: Die Furcht des Weisen 1 - Klett-Cotta
Patrick Rothfuss: Die Furcht des Weisen 1 - Klett-Cotta
Mit "Die Furcht des Weisen" geht die Königsmörder-Chronik von Patrick Rothfuss weiter. Der zweite Tag verteilt sich in der deutschen Ausgabe auf zwei Bände.

Kaum ein Werk dürfte zuletzt von Fantasy-Leser so herbeigesehnt worden sein wie „Die Furcht des Weisen“ von Patrick Rothfuss. Vor drei Jahren hatte der Autor aus dem amerikanischen Bundesstaat Wisconsin mit „Der Name des Windes“ seinen Durchbruch geschafft, sich mit der Fortsetzung jedoch schwergetan. Aber so lange wie George R.R. Martin ließ Rothfuss seine Leser dann doch nicht warten. Er brauchte drei Jahre, während Martins „Lied von Eis und Feuer“ erst nach der doppelten Anzahl von Jahren weitergeht. Und während Martins Werk von Beginn an so veröffentlicht wurde, dass auf einen Originalband zwei deutsche Titel folgten, passiert die Aufteilung bei Rothfuss nun zum ersten Mal: „Die Furcht des Weisen“ ist zwar der zweite Tag der Königsmörder-Chronik, hat jedoch einen ersten und einen zweiten Teil.

„Die Furcht des Weisen“ – zweiter Tag der Königsmörder-Chronik

Teil 1 setzt wieder im Gasthaus ein, in dem der Chronist die Lebensgeschichte des legendären Kvothe so aufschreibt, wie dieser sie erzählt. Nur dass aus Kvothe der unscheinbare Wirt Kote geworden ist, dessen Lebenswillen gebrochen zu sein scheint. Erst durch das Erzählen soll er wieder zu seinem alten Selbst finden, so der Plan seines Gehilfen Bast.

Doch Kvothe schildert nicht nur seine Erfolge als Student an der Universität, sondern lässt auch die Rückschläge nicht aus: die Geldsorgen, der Liebeskummer durch Denna und der mangelnde Fortschritt bei der Suche nach den Chandrian, den Mördern seiner Eltern. Kvothes Studentenleben nimmt mehr als die Hälfte der Handlung ein, doch dann verlagert Rothfuss den Schauplatz der Handlung von „Die Furcht des Weisen 1“. Im Osten, beim Maer Alveron bekommt der junge Held die Gelegenheit, sich einen Namen zu machen und einen Gönner zu finden. Doch die Mission bringt Kvothes Leben stärker in Gefahr als es die Intrigen seines studentischen Erzfeindes Ambrose je gekonnt hätten.

Patrick Rothfuss verzichtet in „Die Furcht des Weisen 1“ auf große Schlachten

Rothfuss ist ein ambitionierter Schreiber. Er beschränkt sich nicht nur auf die Beschreibung der Personen und Schauplätze, sondern zeigt sein Können auch bei der Beschreibung so abstrakter Dinge wie Stille und Musik. Das erleichtert das Eintauchen in die Welt der Königsmörder-Chronik. Um Spannung zu erzeugen, muss Rothfuss keine blutigen Schlachten schildern – es genügen die Szenen, in denen Kvothes Ohnmacht gegenüber mächtigen Adeligen deutlich wird. Trotz kleinerer Abschweifungen und Redundanzen ist die Handlung von „Die Furcht des Weisen“ packend. Die Geschichte endet ein wenig plötzlich, was auch der Aufteilung auf zwei Bände geschuldet ist. Allerdings wäre ein früherer Ausstieg weniger abrupt gewesen. Hier sollte wohl künstlich ein Cliffhanger geschaffen werden.

„Die Furcht des Weisen 1“ – Teil 2 folgt im Januar 2012

„Die Furcht des Weisen 2“ erscheint Ende Januar 2012 in der Hobbitpresse von Klett-Cotta als gebundene Ausgabe und wird auf rund 500 Seiten die weiteren Abenteuer Kvothes schildern. Die Übersetzung stammt erneut von Jochen Schwarzer und Wolfram Ströle. Bleibt zu hoffen, dass in der Fortsetzung auf unpassende Begriffe wie „HiWi“ und verzichtet wird. Auch würde es den Lesefluss erleichtern, wenn die Kapitel nicht nur wenige Seiten lang und dann auch noch mal in einzelne Abschnitte unterteilt wären. Schließlich ist Rothfuss ein guter Erzähler, der alle Kniffe kennt, mit denen Leser an die Geschichte zu fesseln sind, sodass sie gar nicht merken, wie viel Zeit vergeht – während sie Seite um Seite weiterlesen.

Patrick Rothfuss: Die Furcht des Weisen 1. Die Königsmörder-Chronik. Zweiter Tag. Hobbitpresse/Klett-Cotta 2011. Gebundene Ausgabe, 859 Seiten. Euro 24,95 Euro (Österreich 25,70).

Jörn Käsebier - Bei Suite101.de betreute Jörn Käsebier zweieinhalb Jahre die Ressorts Wirtschaft & Geld sowie Sport als Redakteur, solange es ...

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